Chronik des SV Zellhausen 1913 e.V.

In weitem Bogen kommt der Ball zu Disser, der gibt ab zu Disser er dribbelt – weiter zu Disser dann herrlich ein Traumpass zu Disser – der verfehlt – ein Gegenspieler fängt den Ball ab, macht einen Alleingang und zieht ab – aber Disser im Zellhäuser Tor hält souverän...

Wenn es im Gründungsjahr des Sportvereins 1913 e.V. bereits Fußball Reportagen gegeben hätte – die Höhrer am Volksempfänger hatten verstört den Kopf geschüttelt. In Zellhausen hätte man gewusst wie der Ball lief – Von Fritz Disser zu Josef Benedikt, zu Konrad weiter zu Richard, und am Ende hält Franz der Goalmann.

Junge Burschen hatten 1909 bereits den Sport-Club Zellhausen gegründet, hatten wilde Fußballkämpfe organisiert damals noch am Stockstädter Weg, sie waren denjenigen aus den Augen, die mit Ausdrücken wie – Außenseiter der menschlichen Gesellschaft, schnell bei der Hand waren wenn die Jungs kickten. Das war lange vor der Zeit, da Fußball gesellschaftlich anerkannt war.

Vier Jahre später gründeten die Fußballversessenen im Darmstädter Hof im Besitz von – richtig Valentin Bernhard Disser den SV Zellhausen – viele Hurras für Wendelin Friedrich den 1. Vorsitzenden und sein Führungsteam Josef Benedikt Disser, Rudolf und Ignaz Herr. Es folgten die ersten verbandsexternen Spiele an der Straße nach Babenhausen. Zwei Pfosten wurden in die Erde gerammt eine Kordel darüber gespannt – fertig war das Tor- von einheitlichen Trikots zunächst keine Spur – Training war ein Fremdwort- alles war Spiel -die Taktik damals – HOCH DEN BALL UND WEIT WEG.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges ein Jahr nach Gründung des SVZ, brachte das noch junge Vereinsleben jäh zum Stillstand, die Helden vom Benzbuckel rückten in die Kasernen ein und zogen ins Feld aus dem 1 Drittel der Gründer nicht wiederkehrten. Valentin Bernhard Disser sowie Heinrich Simon leiten den Verein - 1919 dann Vorsitzender ist Bernhard Simon – absolvierte der SV Zellhausen sein erstes Verbandsspiel der Vereinsgeschichte: mit einem 2:0 gewann man dieses denkwürdige Spiel in der C-Klasse Offenbach des Süddeutschen Fußballverbandes.

Seit diesem Sieg hat der Verein tausende Spiele ausgetragen , ist auf – und abgestiegen und war Angstgegner für so manche gegnerische Mannschaft und war Überraschungsteam in der Tabelle – in den 70 er Jahren textete ein sehr bekannter Sportredakteur in einem Kommentar der Offenbach Post: LANGSAM KOMMT DAS GRAUSEN AUS ZELLHAUSEN – recht früh schon stoßen immer wieder auch von außerhalb Spielertalente zum SVZ – der erste Trainer Hermann Wesselmann ebenso, und erst recht sein Nachfolger Eckel der aus Hamburg stammte. Auch im Vorstand bewies man immense Beweglichkeit- 1921 führte Franz Zilch den Verein, 1924 Rudolf Herr, 1925 folgte der Fußballbegeisterte Lehrer Gansz und 1927 wiederum Rudolf Herr. 1933 wird dieser von den Nazis abgesetzt, der Sportverein wird verboten das Vermögen wird konfisziert – Warum stellte sich die Frage:

Nun - die Großfamilie Disser stellte einen Großteil der auch politisch nicht abstinenten Arbeiterschaft in unserem Dorf und wie wir bereits gehört haben war der Name in den Mitgliederlisten nicht gerade selten – der politische Verdacht – marxistischer Tendenzen bei Mitgliedern und Vorstand wird dem Verein im Juli 1933 nach der Machtübernahmen der Nationalsozialisten aufgetischt. Sogar der mit viel Mühe angelegte Sportplatz sollte wieder beseitigt werden. Doch in der Bevölkerung regte sich Wiederstand, so dass der Platz erhalten blieb, und der Verein im August sein Eigentum wieder erhielt. Allerdings bestimmte die Staatspartei Karl Rüttinger aus Steinheim zum 1. Vereinsführer, der jedoch die Zügel recht locker hielt – so dass ab 1934 Ignaz Herr als eigentlicher SVZ Chef angesehen werden konnte.

1934 zog sich die NSDAP gänzlich aus dem Verein zurück – 34 war auch das Jahr da Zellhausen „Stürmerstar“ von den Offenbacher Kickers entdeckt wurde – Franz Kaiser, der halbrechts spielte war bis 1946 unter Vertrag in dieser deutschen Renommiermannschaft. 1938 tritt Bernhard Wolf an die Spitze des Vereins, der die Entwicklung des Vereins mit seinem Team Wendelin Disser, Josef Friedrich, Ludwig Keller, Josef Simon und Bernhard Friedrich 20 Jahre lang prägt. In den kommenden Jahren hat der SV seine Last, eine komplette Mannschaft zu stellen- die Mitglieder werden zum Militärdienst eingezogen. Der Spielbetrieb der 1. Und 2. Mannschaft endet im März 1940. Von 120 SV Mitgliedern sind bei Kriegsende alle Wehrfähigen fast ausnahmslos unter Waffen. 27 Vereinskameraden haben den Zellhäuser Sportplatz nie wieder gesehen.

Die zurückkamen haben die Spielstätte kaum wiedererkannt- das Areal war verwüstet und bald wuchsen Kartoffeln dort. Man spielte auf dem Gelände des Fliegerhorstes – später wechselte man auf die andere Seite der Mainflinger Chaussee wo der SV seine Heimat gefunden hat. Bald wurde wieder der geregelte Spielbetrieb aufgenommen und während des Wirtschaftswunders konnte der SVZ sein Vereinsheim errichten.

1963 stieg der SVZ in die 2 Amateurliga auf, in der er sich 13 Jahre lang fest etablierte, und dreimal in Folge als Vizemeister den Aufstieg in die Gruppenliga nur knapp verpasste. Die Sechziger sind für den SVZ die wohl sportlich erfolgreichsten Jahre - Hochmotiviert wurden die Abteilungen Handball und Damen Gymnastik integriert. 1975 folgt der Neubau des Rasenspielfeldes hier an der Mainflinger Straße. In Eigenleistung wird ein Trainingsplatz errichtet sowie eine Flutlichtanlage aufgestellt.

2008 integriert der SVZ eine sehr erfolgreich agierende Damen-Fußballabteilung die sich wachsendem Interesse erfreut. Bis heute hat sich die Mitgliederzahl auf über 500 erhöht, der SVZ bietet den Bürgern vielfältige Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen und sich in das Umfeld des Vereins zu integrieren. Dennoch ist zu beobachten, dass auch der SV vor einem wachsenden Desinteresse insbesondere der jüngeren Menschen steht, sich am Vereinsgeschehen zu beteiligen. Sorgen bereitet uns vor allem die Fluktuation im Jugendspielbetrieb – der sich durch die steigende Zahl an Spielgemeinschaften in der Region ablesen lässt.

Es bleibt zu hoffen, dass sich durch verstärkte Jugendarbeit positive Zukunftstendenzen entwickeln und sowohl jung als auch alt wieder Spaß am aktiven Vereinsleben gewinnen.

WIE EBEN VOR HUNDERT JAHREN!